unser Patron Nicolaus Stensen

Nils Stensen Unser Patron, der selige Nicolaus Steno(nis) (* 11. Januar in Kopenhagen (Dänemark); † 5. Dezember in Schwerin), latinisiert aus dänisch Niels Stensen, lebte in einer Zeit, in der die Wissenschaft noch nicht scharf in einzelne Disziplinen gegliedert war, und so ist er uns heute bekannt als ein bedeutender Naturforscher, Mediziner und Geologe. Dieser Artikel berichtet über sein Leben und Wirken von seiner wissenschaftlichen Karriere bis zu seiner Hinwendung zum katholischen Glauben, stets im Bestreben, „in allen Dingen immer das Vollkommene zu tun“.

Geburt und Familie

Niels Stensen wurde nach dem gregorianischen Kalender am 11. Januar 1638 (julianischer Kalender: 1. Januar) in Kopenhagen (Dänemark) geboren. Sein Vater war der Goldschmied Sten Pedersen, seine Mutter Anna Nielstochter war eine protestantische Pastorentochter. Er hatte eine Schwester, Anna Stenstochter. Nach dem frühen Tod seines Vaters heiratete die Mutter zwei weitere Goldschmiede, sodass das Einkommen der Familie gesichert war.

Ausbildung und wissenschaftliche Karriere

Nach dem Besuch der Lateinschule, also einer Schule, in der die Kinder auf geistliche Berufe bzw. auf das Studium an einer Universität vorbereitet wurden, begann Niels Stensen aus Interesse am Aufbau des menschlichen Körpers ein Medizinstudium an der Universität Kopenhagen; als weitere Studienfächer kamen später Philosophie und Mathematik hinzu. Er wechselte nach kurzer Zeit nach Rostock und dann nach Amsterdam, wo er seine erste wichtige wissenschaftliche Entdeckung machte: Er fand den Ausführungsgang der Ohrspeicheldrüse zur Mundhöhle, der nach ihm „Stensengang“ („Ductus Stenonianus“) benannt ist. Ferner beschäftigte er sich eingehend mit dem menschlichen Gehirn, ohne jemals den Anspruch zu erheben, es in seiner Komplexität vollkommen erfassen zu können. Schließlich setzte er sein Medizinstudium an der damals weltberühmten Universität in Leiden (Niederlande) fort, wo er 1664 den Doktortitel verliehen bekam.

Schon früh fiel der hochbegabte Stensen durch seine revolutionäre, selbstständige und kritische Denkweise auf. Sowohl in Glaubensangelegenheiten als auch in seiner naturwissenschaftlichen Arbeit war ihm ein exaktes Fragen und Forschen wichtig:

„Wie gut hätten unsere Vorgänger für uns und für die gesamte Menschheit gesorgt, wenn die Anatomen, die ihr ganzes Leben mit der Sektion verbringen, ihren Nachfolgern nur Sicheres übermittelt hätten. Unser Wissen wäre weniger breit, aber auch weniger gefährlich; eine Medizin, die sich auf sichere Prinzipien stützt, würde den Kranken, wenn sie ihnen schon nicht die Schmerzen nimmt, wenigstens keine neuen hinzufügen.“ (Op. phil. II, 64)

Das Menschenbild des jungen Wissenschaftlers war das eines gläubigen Christen:

„Dieses ist der wahre Zweck der Anatomie, die Zuschauer durch das wunderbare Kunstwerk des Körpers zur Würde der Seele und folgerichtig durch das Bewundernswerte an beiden zur Kenntnis und Liebe des Schöpfers emporzuheben.“ (Op. phil. II, 254)

Hinwendung zum katholischen Glauben

Nach Aufenthalten in Frankreich kam der bereits weltberühmte Stensen nach Florenz, wo Großherzog Ferdinand II. ihn zu seinem Leibarzt machte. Zudem arbeitete er im Hospital Sancta Maria Novella. In den Medici fand er sowohl Gönner als auch Freunde, was es ihm ermöglichte, sich weiterhin seinen anatomischen und geologischen Forschungen zu widmen.

Angeregt durch Erlebnisse und Begegnungen in der weitgehend katholischen Toskana stellte sich der protestantisch und zu einer Abneigung zum Katholizismus erzogene Stensen aufgrund des großen Wahrheitsbedürfnisses, das auch sein wissenschaftliches Arbeiten prägte, immer stärker die Frage nach dem wahren Glauben. Sein Interesse an der Religion stieg in dem Maße, in dem seine Wissenschaftsgläubigkeit abnahm. Das Erleben der Fronleichnamsprozession in Livorno 1666 bewog ihn zu einer tiefgehenden Auseinandersetzung mit der Eucharistie:

„Entweder ist jene Hostie nur ein Stück Brot, und seine Verehrer sind Toren, oder hier ist der wahre Leib Christi, und weshalb erweise nicht auch ich ihm die Ehre?“ (Op. theol. I, 9)

Die Vielzahl der protestantischen Teilkirchen verunsicherte ihn zunehmend. Nach vielen Gesprächen mit Gelehrten und dem Studium der Bibel und der Dogmen entschloss er sich 1667 zur Konversion zum Katholizismus. Dieser Schritt stieß in der Öffentlichkeit auf so großes Unverständnis, dass er ihn in mehreren Briefen und später in seiner Schrift „Verteidigung und genauere Erklärung des Briefes über meine eigene Konversion“ erläuterte.

Karriere in der katholischen Kirche

1672 nahm Niels Stensen eine Stelle als königlicher Anatom in Kopenhagen an. Dort wurde ihm zwar die freie Religionsausübung zugestanden, jedoch blieb seine Stellung an der protestantischen Universität ungesichert. Schließlich kehrte er als Erzieher des Erbprinzen an den Hof der Medici in Florenz zurück und fasste den Entschluss, um die Priesterweihe zu bitten. Schon immer hatte er hohe und strenge Moralvorstellungen gehabt, im Priesteramt sah er den Dienst an der Ehre Gottes und dem Seelenheil der Menschen in besonderem Maße verwirklicht:

„In der Erkenntnis der priesterlichen Würde und weil dadurch täglich Danksagungen für Wohltaten, Bitten um Vergebung für die Sünden und anderes Gott sehr Wohl-gefälliges am Altare Gottes vollzogen werden, habe ich darum gebeten und die Erlaubnis erhalten, für mich und andere das unbefleckte Opfer Gott dem ewigen Vater darzubringen.“ (Ep. I, 301)

Bei seiner Priesterweihe am 13. April 1675 legte er die Gelübde der Armut und Enthaltsamkeit ab, das Gelübde, „in allen Dingen immer das Vollkommene zu tun“, wurde ihm jedoch aufgrund seiner Schwere verweigert.

Wegen seines Erfolgs bei der Bekehrung von Protestanten zum Katholizismus wurde Niels Stensen bereits 1677 in Rom zum Bischof geweiht und als Apostolischer Vikar in die Nordischen Missionen gesandt. Fortan stand er einer bistumsähnlichen Gebietskörperschaft im Missionsgebiet vor und vertrat den Papst in der Jurisdiktion.

Tätigkeiten in der Mission

Als Weihbischof war Stensen zunächst in Hannover und dann, nach einem ungünstigen Regierungswechsel, ab 1680 in Münster tätig. Auch das Vikariat Lüneburg, die Hamburger Mission und das Königreich Dänemark waren ihm anvertraut. Er strebte nach wie vor das unerreichbare Ziel der Vollkommenheit an, um für sich und all die ihm anvertrauten Gläubigen das Seelenheil zu erwerben, und lebte konsequent asketisch. Ein Begleiter schrieb über ihn:

„Die Visitationsreisen in seinem Bistum machte er zu Fuß, indem er gewöhnlich sieben deutsche Meilen (50 km) am Tage ging. Alles, was er auftreiben konnte, gab er den Armen, und als er nichts mehr zu geben hatte, verkaufte er seinen wertvollen Bischofsring und seinen Bischofsstab, um ihnen zu helfen.“

Sein Lebensstil und seine kritische Haltung auch anderen kirchlichen Würdenträgern gegenüber führten vermehrt zu Konflikten.1684 verließ Stensen Münster und ging als Apostolischer Vikar nach Hamburg, wo die Gemeinde besonders zersplittert war, und nahm sich ihrer und der zahlreichen Konvertiten an, ohne jedoch seine idealistischen Ziele erreichen zu können.

Tod und Seligsprechung

1685 schließlich übernahm er die Leitung einer Missionsstation in Schwerin, er erkrankte jedoch kurz darauf an einer Darmlähmung und verstarb nach dem gregorianischen Kalender am 5. Dezember (julianischer Kalender: 25. November) 1686 im Alter von 48 Jahren. Sein Leichnam wurde nach Florenz überführt und in der Kirche San Lorenzo beigesetzt.

Am 23. Oktober 1988 wurde Niels Stensen durch Papst Johannes Paul II. selig gesprochen. Sein Gedenktag ist der 5. Dezember. Er erinnert an einen Menschen, der sein ganzes Leben lang im Vertrauen auf Gottes Hilfe auf der Suche war nach dem richtigen Weg und der Wahrheit und der sich immer wieder aus Neue um Glaubwürdigkeit und Vollkommenheit in der Nachfolge Christi bemühte.

Text: Anna-Maria Wilz