Berichte

Dreilützow 2011 – „Mach´s wie Gott und werde Mensch“

eine repräsentative Auswahl von Wallfahrern der KSG Rostock, KSG Lübeck und KHG Hamburg
eine repräsentative Auswahl von Wallfahrern der KSG Rostock, KSG Lübeck und KHG Hamburg

Unter diesem Leitspruch stand die diesjährige Wallfahrt der Studierenden nach Dreilützow. In aller Frühe brachen Erich, Kim, Anna, Julia und ich am Sonntagmorgen auf, um uns auf den Weg dorthin zu machen. Trotz der noch nicht ganz überwundenen Müdigkeit wurde es eine schöne und interessante Zugfahrt durch die malerischen Landschaften von Mecklenburg nach Hagenow, wo wir dann gleich von einem verdächtig gelben Bonifatiuswerk- Bulli abgeholt wurden. In Dreilützow angekommen bestaunten wir nicht nur das schöne Mecklenburger Schloss (es hatte leider keine Türmchen), sondern wurden auch gleich von den Hamburger und Rostocker Studenten, welche bereits Freitag und Samstag zusammen verlebt hatten, herzlich in Empfang genommen. Nach einem kurzen Aufwärmspiel ging es dann auch gleich los auf einen Spaziergang durch die Felder und Wiesen rund um Dreilützow. Für die richtige Wallfahrt-Stimmung wurden zwischendurch immer wieder spontan Lieder – ob vom WJT oder aus Taizé – angestimmt.

Wallfahrt StationAn verschiedenen Stationen machten wir halt und kleine Gruppen gaben kurze Impulse, welche sie am Samstag zu den Themen „Menschenwürde“, „Stärken und Schwächen“ und „Nächstenliebe“ ausgearbeitet hatten. Nachdem der Rundgang beendet war feierten wir mit Vater Thomas in der Waldkapelle die Sonntagsmesse. Beim Mittagessen und beim anschließenden Beisammensitzen kam man dann etwas intensiver mit den Studenten der anderen Hochschulgemeinden ins Gespräch über den „KSG-Alltag“ aber auch über gemeinsame Veranstaltungen in Zukunft. Zum Abschluss des gemeinsamen Tages genossen einige auf der Wiese die Sonne, während andere sich zu einem weiteren Spiel mit dem mysteriösen Namen „Uga-Uga“ überreden ließen. Als wir uns dann von allen gründlich verabschiedet hatten traten wir glücklich und auch etwas erschöpft die Heimreise an.

Text: Sarah Borowski
Fotos: KHG Hamburg

Rom 2009 – in fünf Tagen durch die ewige Stadt

Vom 5. bis 10. September begab sich ein Teil unserer Gemeinde zusammen mit unserem Seelsorger Prälat Patrick Boland in die ewige Stadt Rom. Neben den klassischen Touristenattraktionen (Petersdom, Forum Romanum, Kolosseum, ...) machten ganz besondere Erlebnisse wie der Gottesdienst in der Krypta des Petersdoms und unser unvergleichlicher Reiseführer Prälat Boland die Reise zu einem unvergessenen Erlebnis.

Reisegruppe auf dem Forum Romanum
Jonathan, Meike, Anna-Maria, Birgit, Prälat Boland, Erich und Malte

„Wir könnten doch mal nach Rom fahren!“

Reisegruppe auf dem Petersplatz Die Idee kam ganz unerwartet an einem KSG-Abend zu Beginn des Jahres auf, und ehrlich gesagt nahmen wir sie trotz spontanen Beifalls anfangs selbst nicht wirklich ernst, genauso wenig wie Prälat Boland. „Ich muss verrückt gewesen sein, als ich da zustimmte“, sollte er später wiederholt sagen. Doch schon Seneca wusste: Es hat nie einen großen Geist ohne die Beigabe von Verrücktheit gegeben. Und so nahm Birgit die Sache in die Hand und buchte für unsere sechsköpfige Reisegruppe (Meike, Erich, Malte, Anna-Maria, Birgit und Prälat Boland) die Flüge und eine Unterkunft.

Als wir am 5. September morgens um sechs Uhr am Hamburger Flughafen standen, konnten die meisten von uns noch immer nicht richtig glauben, dass wir tatsächlich gemeinsam auf dem Weg nach Rom waren. Wir flogen zunächst nach Stuttgart, wo wir einen vierstündigen Aufenthalt überbrücken mussten. Dafür durften wir uns aber auch die Sicherheitsbelehrung von Germanwings noch ein zweites Mal anschauen, bevor wir schließlich den Flughafen Fiumicino erreichten. Wir waren hellauf begeistert, als nach langer Wartezeit, tatsächlich alle Gepäckstücke richtig ankamen. Mit dem Zug erreichten wir am späten Nachmittag die Station Termini und betraten kurz darauf das Haus der Schwestern der Hl. Elisabeth ganz in der Nähe von S. Maria Maggiore. Auch hier erlebten wir eine positive Überraschung: Anstelle der erwarteten Stockbetten und Gemeinschaftsduschen gab es fünf einzelne Liegen, zwei Bäder, einen Ventilator und einen Kronleuchter - Grund genug, um uns sofort wohl zu fühlen. Nun trafen wir Jonathan, der auf eigene Faust nach Rom gereist war und sich uns dort anschloss. Gemeinsam besuchten wir zum Einstieg S. Prassede und betrachteten die byzantinischen Mosaike dieser kleinen Basilika. Nach dem Abendessen fielen wir ziemlich bald in unsere Betten.

Schnee im August und die Mutter aller Kirchen

Santa Croce in Gerusaleme Den Sonntag begannen wir mit einem ausgiebigen Frühstück, das wiederum unsere Erwartungen übertreffen konnte. Etwas gewöhnungsbedürftig waren nur die italienischen Brötchen, welche dafür einen gewissen Unterhaltungswert besaßen, weil man immer gespannt sein konnte, ob sie nun „eine Seele hatten“ oder völlig hohl waren. Es sollte uns jedoch leider nie gelingen, dies durch Klopftests oder anhand äußerer Merkmale herauszufinden. Danach besuchten wir das Hochamt in S. Maria Maggiore, der ersten der sieben Patriarchalbasiliken Roms, die wir kennen lernen sollten. Der Legende nach fiel an dieser Stelle mitten im August des Jahres 352 Schnee - ein Zeichen der Gottesmutter an den damaligen Papst, damit er hier eine Kirche errichten ließ. Nach S. Pudentiana stand S. Croce in Gerusalemme auf dem Programm, das sich Prälat Boland für uns zurechtgelegt hatte. Dort beeindruckte uns neben der Kreuzreliquie und der Kreuzesinschrift, welche die Hl. Helena aus Jerusalem nach Rom brachte, auch eine originalgetreue Kopie des Grabtuches Jesu. Anschließend besichtigten wir die Lateranbasilika, die als erste Basilika der Christenheit auch die „Mutter aller Kirchen“ genannt wird und bis zum Exil der Päpste in Avignon Sitz des Pontifikats war. Schließlich ließen wir den Tag bei einem fröhlichen improvisierten Abendessen auf der Dachterrasse unserer Unterkunft ausklingen. Während das italienische Brot uns leider nicht so recht überzeugen konnte, war der Blick über nahezu ganz Rom mit seinen Lichtern grandios.

ohne Frühstück am Grab Petri und vollendete Diskretion

Sonnenaufgang auf dem Petersplatz Der Montag sollte der programmmäßig ausgefüllteste Tag werden. Wir begannen ihn – leider diesmal gänzlich ohne Frühstück! – um sieben Uhr mit einem Gottesdienst in der Krypta des Petersdoms. Die Clementina, die schöne Kapelle direkt hinter dem Grab des Apostels Petrus, bot gerade genug Raum für unsere kleine Gemeinde. Danach betrachteten wir in Ruhe den Petersplatz, der bereits eine Stunde später von zahllosen Touristen überrannt werden sollte, und den Campo Santo Teutonico, den deutschen Friedhof auf dem Gelände des Vatikans. Hier sind deutsche Pilger, die in Rom starben, beigesetzt. Zwar fanden wir noch eine freie Grabplatte, auf der wir uns den Schriftzug „KSG Lübeck“ durchaus hätten vorstellen können, doch wir waren bereits anderweitig verabredet: Pünktlich um zehn Uhr trafen wir Professor Brandmüller, seines Zeichens Chefhistoriker des Vatikans und „Ikone der Konzilsgeschichte“. Dieser bestach vor allem durch seine Diskretion, was den Dialog mit ihm etwas erschwerte. Dafür sorgte er noch lange, nachdem er sich von uns verabschiedet hatte, um sich wieder seinen Pflichten, nämlich der Erledigung „verschiedener Korrespondenz“ zuzuwenden, für angeregte Gespräche in der Gruppe.

„Wir erreichen S. Ignazio“ oder „der Segen der Siesta“

Reisegruppe am Brunnen vor S. Croce Nach kurzen Besuchen an der Engelsburg und der Engelsbrücke, der Spanischen Treppe und dem Pantheon gelangten wir zu S. Lorenzo, der Basilika, die das Grab des Hl. Laurentius beherbergt und dem Patriarchen von Jerusalem zugeordnet ist, und (nach vielen Umwegen fast schon wider Erwarten) zu S. Ignazio. Diese Jesuitenkirche besitzt ein Deckengemälde, das die Illusion aufkommen lässt, sie besäße eine hohe Kuppel und sei mit dreidimensionalen Figuren ausgeschmückt. Die letzte Kirche für diesen Tag war S. Maria sopra Minerva, die einzige gotische Kirche Roms, in der die Hl. Katharina von Siena begraben liegt, jede Kirchenlehrerin, die auch Papst Gregor XI dazu bewegte, nach dem Exil nach Rom zurückzukehren. Doch auch weltliche Sehenswürdigkeiten kamen, sofern sie denn auf dem Weg lagen, nicht zu kurz, und so bekamen wir zum Beispiel die Piazza Navona mit dem berühmten Vierstrombrunnen und die Piazza Colonna mit der Mark-Aurel-Säule zu sehen. Es versteht sich von selbst, dass wir uns damit ein Abendessen verdient hatten, das, um mit Prälat Boland zu sprechen, „einen müden Gaul wieder aufstehen lässt“. Allerdings müssen wir gestehen, dass alle von uns die ebenso eindrucksvollen wie heißen und erfüllten Tage wohl nur deshalb so gut überstanden haben, weil wir immer eine gute Stunde Mittagsruhe hielten und im spärlichen Schatten auf der Terrasse neue Kraft tankten. Wir lernten also die südländische Siesta kennen und schätzen und waren dafür auch nachmittags noch aufnahmebereit für das, was unser aus Deutschland importierter irischer Fremdenführer über Italiens Hauptstadt uns erzählen konnte.

Kunst am Nabel der Welt und die Entstehung des Christentums

Forum Romanum Am Dienstag widmeten wir den Vormittag dem geschichtsträchtigen Forum Romanum samt Capitol und Palatin und fanden dort neben vielen anderen eindrucksvollen Bauwerken nach einigem Suchen auch den Umbilicus, den Nabel der (römischen) Welt, sowie die Überreste des Vestalinnen– Tempels, wo jungfräuliche Priesterinnen einst das Herdfeuer hüteten. Fast hätten wir uns an diesem Schauplatz wie in die Antike zurückversetzt fühlen können, wären da nicht zahllose „moderne Kunstwerke“ gewesen, Skulpturen, für deren grässlichen Anblick man „Berlusconi den Hintern versohlen müsste“. Nachmittags besuchten wir zunächst das Kolosseum, wo die Möchtegern-Nachfolger römischer Gladiatoren heute nicht mehr gegeneinander, sondern nur noch um die Gunst der Touristen kämpfen, und schließlich die Kirche S. Clemente. Hier besichtigten wir auch die darunter liegenden Ausgrabungen: eine Unterkirche aus dem 4. Jahrhundert und Mitras-Tempel mit Opferstein. Der Tag endete in fröhlicher Runde auf der Dachterrasse, mit – man höre und staune – einem wirklich genießbaren Brot und einem wunderschönen Sonnenuntergang. Wir bedauerten sehr, den Papst nicht eingeladen zu haben, denn das hätte ihm sicher auch gefallen. Manchmal haben selbst wir die guten Ideen leider erst etwas zu spät.

Archäologiestudenten oder doch „mostly medicine“

Am folgenden Morgen fuhren wir zur etwas außerhalb gelegenen S. Agnese fuori le mura, wo wir neben der Kirche nicht nur das Grab der schon als Kind verstorbenen Hl. Agnes, sondern auch die Katakomben besuchten. Aus bisher ungeklärten Gründen wurde Prälat Boland dort für einen „Professor für Geologie und Archäologie“ gehalten. Ohne dies ausdrücklich zu bestätigen, spielte er seine Rolle so gut, dass für uns alle ein ermäßigter Eintritt heraussprang. Aus dem klammen Gemäuer entkommen, warfen wir kurze Blicke auf das Mausoleum der Constanze und S. Maria degli Angeli e degli Martiri sowie die Piazza della Republica, bevor wir mit dem Besuch von S. Paolo fuori le mura einen weiteren Höhepunkt unserer Reise erlebten. Diese Basilika ließ Kaiser Konstantin über dem Grab des Apostels Paulus errichten. Hier sind Mosaike mit den Portraits aller Päpste der Kirchengeschichte bis hin zu Benedikt XVI zu sehen. Danach versperrten uns Touristenmassen den Blick auf die Bocca della verità, den „Mund der Wahrheit“, der angeblich dem Lügner die Hand abbeißt, was in der Antike durch einen dahinter versteckten Soldaten überzeugend inszeniert wurde, indem dieser ab und an mit dem Schwert zuschlug. So besuchten wir nur die daneben gelegene Kirche S. Maria in Cosmedin, bevor wir den Tiber überquerten und in S. Maria in Trastevere die Hl. Messe mitfeierten. Von der italienischen Predigt verstanden wir natürlich kaum ein Wort, aber es tat dennoch gut, am Ende des Tages und der Reise ein wenig zur Ruhe zu kommen. Wir ließen uns in dem schönen Stadtteil ein letztes gemeinsames Abendessen schmecken, und da alle sehr zufrieden waren, kam auch der an diesem Tag von uns geprüfte Vertreter der Gastronomiebranche davon, ohne mit einem keltischen Fluch belegt zu werden.

Ganz zum Abschluss unserer Romfahrt kehrten wir schließlich am Donnerstagmorgen noch einmal in den Petersdom zurück, um diesen zu besichtigen. Das Petrusgrab, der Hl. Stuhl mit der Bronzestatue des Apostels, die vier Reliquiensäulen und die Pietà Michelangelos wurden somit zu den letzten Bildern der Stadt, die wir mitnahmen, als wir mittags zum Flughafen aufbrachen und die Rückreise via Stuttgart nach Hamburg antraten, das wir spät abends todmüde, aber glücklich, vollzählig und mit Gepäck erreichten.

Vielen Dank Prälat Boland!

Dachterrasse Für uns alle war diese Romreise etwas ganz Besonderes, ob es nun die erste oder bereits die dritte war. Das liegt sicherlich zu einem großen Teil an der faszinierenden Stadt mit ihren imposanten Bauten und ihrer beeindruckenden Geschichte selbst, aber nicht nur: Unser Dank gebührt an dieser Stelle zuerst Prälat Boland, der uns durch seine Einführungen und Erklärungen vieles erst erschlossen hat, wozu wir allein wohl kaum einen Zugang gefunden hätten. Er führte uns nicht nur sicher durch die Kirchen und all die anderen historischen Stätten, sondern auch (manchmal auf kleinen Umwegen) kreuz und quer durch die Straßen Roms an die Ziele unserer Besichtigungstouren. Bis zum letzten Moment hatte er geduldig auf jede erdenkliche Frage – und davon gab es wirklich einige – eine nicht selten überraschende Antwort parat. Ferner war er es, der uns beibrachte, wie man in Rom eine Straße überquert (immer bei rot, kurz umschauen, dann nichts wie los und bloß nicht stehen bleiben!), sich stets um unser leibliches Wohl sorgte und niemals seinen Humor verlor.

Doch auch die Gemeinschaft in unserer kleinen Reisegruppe war eine tolle Erfahrung. Obwohl wir nahezu 24 Stunden am Tag (!) beisammen waren, kamen wir spannungsfrei miteinander aus, führten viele interessante und anregende Gespräche, lernten uns noch besser kennen und hatten vor allem eine Menge Spaß zusammen. Wir haben viel gesehen, gelernt und gelacht, über Dinge, die wir erlebten, Menschen, denen wir begegneten, und oft auch über uns selbst. So hat jeder auf seine Weise dazu beigetragen, dass unsere Romfahrt 2009 zu dem wurde, was sie ist: ein einzigartiges Erlebnis, das wir nicht missen möchten, und das wir sicher in dieser oder ähnlicher Form wiederholen werden. Denn wer wüsste es nicht: Viele Wege führen nach Rom...!

Text: Anna-Maria Wilz
Fotos: Meike Paschen